Eine Reise nach Argentinien

26.08.-18.12.2015

12Oktober
2015

O' zapft is

Heute war Kolumbustag und somit ein Feiertag. Wir haben den heutigen freien Tag mit 15°CC (zeigte das Thermometer, aber ich war überzeugt, dass es wärmer war :D) für ein Stück Heimat genutzt.

In Villa General Belgrano ist jedes Jahr für zwei Wochen Oktoberfest. Ja wirklich- Oktoberfest :D

Diese Stadt, die zur Provinz Córdoba zählt, ist vor etlichen Jahren aus deutschen Auswanderen entstanden, um genau zu sein zur Kriegszeit und diese haben das Oktoberfest eingeführt. Dennoch wird hier mittlerweile spanisch gesprochen hieß es von der Agentur. Dieses Oktoberfest ist so bekannt, dass alle Hotels/Hostels/Campingplätze in den umliegenden Ortschaften und Belgrano ausgebucht sind. Die Leute nehmen selbst eine zehnstündige Autofahrt dafür auf sich, um an diesem Fest teilnehmen zu können. 

Selina, Sara (aus den USA) und ich brauchten von Córdoba zwei Stunden mit dem Bus. Als wir dort ankamen, liefen alle mit Bayrischen Hüten und Bierkrügen rum. Manche hatten sogar Dirndl und Lederhosen an. Wollten uns ein Stück anpassen und nicht wie Ausländer aussehen ;) 

Die Stadt selber hatte tatsächlich bayrischen Charme und die kleinen Kneipen waren liebevoll dekoriert. In jedem Restaurant fand man mindestens ein deutsches Wort wie Leberwurst, Bratwurst, Leberkäse oder Brotzeit in der Speisekarte. Beliebt war hier doch tatsächlich Sauerkraut mit Kassler oder Haxe. Haben wir uns direkt genehmigt auf dem Fest. 

Bier wollten wir natürlich auch trinken und sind zu einer Bierbude (alle hatten deutsche Namen: Bierstube, das Bierchen, Zum Karlchen...). Selina spricht besser Spanisch und somit Übernahm sie die Bestellung: 3 Cerveza por favor! Der Herr guckte plötzlich schief, fing an zu lachen und sagte Platt: "sag doch einfach, dass du drei Bier willst. Halber oder ganzer Liter?" :D wir guckten alle nicht schlecht! Kurzer Smalltalk woher wir kommen und was wir in Argentinien machen.

Wir fragten den Herrn (ca.um die 60 Jahre) woher er so gut deutsch spricht: seine Eltern sind damals in jungen Jahren nach Argentinien ausgewandert und wollten nicht, dass ihr Sohn deutsch lernt. Er ging immer zum Nachbarn, der teilweise deutsch sprechen konnte. Seine Eltern bemerkten seinen Ehrgeiz und dass er die Sprache wirklich lernen wollte und seitdem brachten sie ihm die deutsche Sprache bei. 

Wir haben noch einige Läden besucht, in denen sie Hüte, Bratwurst, Berliner Bier, Lebkuchenherzen und Stollen verkauften. 

Auf dem Rückweg sind wir an einem Campingplatz vorbei, wo an einem Zaun Flaggen hingen. Ich machte die Platzwartin auf mich aufmerksam, zeigte mit dem Finger auf die argentinische Flagge und anschließend auf mich (alles ohne ein Wort) und sie sagte: "nicht zu verkaufen". Nachdem ich wieder ein fassungslosen Gesichtsausdruck hatte, lachte die Dame und kam einige Schritte auf uns zu. Wieder kleiner Smalltalk und sie bot mir an, in die deutsche Schule in Belgrano zu kommen, in welcher sie als Deutsch Lehrerin unterrichtet. " Frag einfach nach Gisela und wir machen einen netten Unterrichtstag zusammen". Überlegung wert...

Auch sie fragten wir, woher sie so ausgezeichnet deutsch spricht: ihre Großmutter ist deutsche, wanderte aus und bekam ihre Tochter in Buenos Aires. Die Tochter bzw. die Mutter von Gisela wollte die Wurzeln ihrer Mutter kennenlernen und ging nach Deutschland. Dort erlebte sie den zweiten Weltkrieg und wurde vom Land Argentinien zurückgeholt. Als Gisela auf die Welt kam, lernte bzw. sprach sie die ersten vier Jahre nur deutsch und mit Beginn der Schule kam dann Spanisch hinzu. "Ich würde gerne mal nach Deutschland reisen" sagte sie.